Falsche «Ehrlichkeit» in Jobinterview und Bewerbung

Heute möchte ich über den Begriff der „Ehrlichkeit“ sprechen.

Ich habe viele Bewerber erlebt, die die besten Jobs nicht gekriegt haben, weil sie „zu ehrlich“ waren.

Was meine ich genau? Ich meine diese ungefragte Überehrlichkeit, die niemand jemals eingefordert hätte. Sie richtet viel mehr Schaden an, statt Nutzen zu stiften. Sie lässt viele schöne Jobchancen platzen, statt dass sie Brücken baut.

Die ungefragte Überehrlichkeit ist ein Job-Killer.

Fühlst du dich angesprochen?

Ich verstehe dich gut. Die Intention dahinter mag auch eine gute sein. Als Kandidat möchte man seine Karten auf den Tisch legen. Transparent sein. Und von Anfang an klar machen, ob Firma und Job auch wirklich gut zu einem passen.

Aber: Don’t cross the bridge before you get there.

Ich halte zu einem etwas strategischeren Vorgehen an. Beim Poker offenbaren wir unsere Hand auch nicht ungefragt zu Spielbeginn. Und beim Schach spielen wir Zug um Zug.

Leider durfte ich viele Kandidaten erleben, die sich für "besonders authentisch" gehalten und ihre „Ehrlichkeit“ als höchste Tugend hochgehalten haben, weil sie im Jobinterview zuerst mal klar gemacht haben, was sie alles NICHT können. Welche Punkt der Stellenbeschreibung sie alle NICHT erfüllen. Noch BEVOR irgendwas anderes besprochen wurde.

Ihr Argument: „Ich möchte ja von niemandem die stehlen.“

Nochmals: Don’t cross the bridge until you get there.

Mach nicht den zweiten Schritt vor dem ersten. Oder sagst du bei deinem ersten Date, dass du in der Nacht schrecklich schnarchen wirst? Nur, weil du nun mal so eine ehrliche Person bist?

Natürlich nicht!

Also bitte. Verspiel dir nicht die Chance auf den Job Gewinn.

Weisst du, die Unternehmen verkaufen sich selber ja auch. Sie sind wahre Meister darin. Zeigen sich stets nur von der besten Seite. Auf dem Jobinserat stehen immer nur die schönsten Dinge. Diversität, flache Hierarchien, schalala... Sie stellen sogar Leute im Marketing dafür ein und nennen das "Employer Marketing". Die Realität dürfte in den meisten Fällen auch ein bisschen anders aussehen. 

Darum sollst du dies auch tun dürfen. Sei bitte nicht gutgläubig. Wir spielen hier Augenhöhe.

Wenn du jetzt denkst, mir ginge es darum, dass du irgendwie lügen und übertreiben und dich als Schaumschläger aufführen sollst, muss ich dir sagen:

Nein.

Weit gefehlt!

Deine Pflicht ist es - in jedem Jobinterview und bei jeder Bewerbung - dass du deine Stärken kommunizieren kannst. Das du artikulieren kannst, warum eben genau DU die Frau oder der Mann für den Job bist.

Stärken kommunizieren + gleichzeitig Offenheit und Lernbereitschaft signalisieren können – das ist das Rezept der Karriere- und Job-Gewinner.

Humble but confident.

Wirst du dein nächstes Bewerbungsgespräch anders angehen? Ich hoffe es doch.

Viel Erfolg. Ich glaub an dich! 

15.04.2021 | Index:

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