Souverän wirken im Video Call

Corona hat die Digitalisierung erheblich vorangetrieben. Stellensuchende haben das schnell gemerkt. Sie führen ihre Jobinterviews nun per Video. Heute werden Mitarbeiter eingestellt, ohne dass man sie jemals «in echt» gesehen hat.

Fazit: Video ist die neue Normalität.

Und das Videointerview gehört definitiv zu den Grundkompetenzen der modernen Bewerberin, des modernen Bewerbers.

Die Basics sind ja bekannt... So sollen wir die Kamera auf Augenhöhe anbringen. Kann man mit einem Stapel Bücher wunderbar umsetzen. Wir sollen angemessene Kleidung tragen. Ja, auch unten (keine Spongebob Boxershorts). Und dafür sorgen, dass Bild, Ton und Internetverbindung einwandfrei sind. Diese Ratschläge sind weit verbreitet, dennoch gehen sie noch immer oft vergessen.

Sie sind alle Teile einer sauberen Vorbereitung = die Grundvoraussetzung, wenn wir souverän wirken wollen. Damit wir souverän wirken können, müssen wir unsere Umgebung unter Kontrolle haben. Wir müssen alle möglichen Störfaktoren ausschalten. Hier spielt der Hintergrund eine wichtige Rolle. Grundsätzlich sollte unser Hintergrund sauber, hell und aufgeräumt aussehen.

Wenn wir schon wissen, dass gerade mehrere Videointerviews auf uns zukommen, können wir ein kleines Set-Up einrichten. Das lohnt sich sehr, weil wir so immer bereit sind. Ja, wie die Pfadfinder. 

Keinesfalls sollte sich im Hintergrund eine Türe befinden, wo Menschen ein- und ausgehen. Diesen Faktor könnten wir nicht kontrollieren und er sorgt für Verunsicherung.

Je nach Möglichkeit «bestücken» wir den Hintergrund mit nur drei Elementen. Zum Beispiel einer Kommode, darauf eine Schale und ein paar Bücher. Fertig. Oder ein Bild an der Wand, eine Pflanze und ein Musikinstrument. Wir können so auch bewusst einen Gegenstand in Szene setzen. Wenn der Gesprächsinhalt auf unser Musikinstrument fällt, ist das gut. Wir können über etwas sprechen, das uns begeistert und worin wir Experten sind. Das kreiert grossartige Momente.

Und jetzt zur Gretchenfrage aller Videointerviews und Zoom-Meetings:

"Soll ich in die Kamera schauen oder nicht?"

Drei simple Regeln helfen uns, authentisch und souverän zu wirken. Trotz Kamera!

1. Beim Sprechen schauen wir in die Kameralinse.

2. Spricht die andere Person, richten wir unseren Blick auf sie, also auf den Bildschirm.

3. Uns selbst spenden wir nur ab und zu mal einen Kontrollblick.

Videocalls können auch schnell mal zu Reizüberflutung und Unsicherheit führen. Auch Erwachsene sind vor dem „Imaginary Audience“-Phänomen nicht sicher. Bedeutet: Man hat das Gefühl, dass das eigene Aussehen und Verhalten von allen anderen ständig genau beobachtet und beurteilt wird. Um diesen Faktor entgegen zuwirken, hier ein paar Worte zum eigenen Erscheinungsbild: 

Am besten positionieren wir uns gegen ein Fenster gerichtet, sodass natürliches Licht auf unser Gesicht fällt. So sieht jeder von uns einfach schon mal frischer aus. Wenn es draussen dunkler wird, benutzen wir im besten Fall eine Ring-Leuchte. Diese erhält man heute kostengünstig.

Wer gerne den Hautglättungs-Filter benutzt, sollte diesen – bitte! – mit Bedacht dosieren. Der wirkt nämlich schnell mal künstlich und eher komisch. Am besten verwenden wir ihn gar nicht. Wer möchte, kann für ein Video-Jobinterview etwas Puder auftragen, wenn er sich dadurch sicherer fühlt.

Und noch ein kurzes Wort zur Imaginary Audience: Die meisten Menschen schauen im Videocall zu 80% der Zeit - eh nur - sich selbst an. Seien wir also beruhigt.

Sollte die Katze oder der kleine Bruder mal durchs Bild springen – nicht aus dem Konzept bringen lassen. Darüber darf auch mal gelacht werden. Viele sind im Home Office und niemand lebt in einer «perfekt sterilen Welt». Vergessen wir nicht den «Menschlichkeits-Faktor». 

25.02.2021 | Index:

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